2002 

“The secret forces of politics“
Wirtschaftsmacht, Medienmacht, die Macht des Terrors

9. bis 13. Dezember 2002, Leokino, Innsbruck

In Zusammenarbeit mit dem Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildungsabteilung Politische Bildung der Universität Innsbruck, dem Landesschulrat für Tirol und dem LEOKINO.

Und mit freundlicher Unterstützung von der Universität Innsbruck, vom Land Tirol, von der Österreichischen Hochschülerschaft Innsbruck, von der Arbeiterkammer Tirol, vom ÖGB Tirol und der Stadt Innsbruck.

Heuer dreht sich beim Polit-Film-Festival 2 im Leokino in Innsbruck in Filmen, Diskussionen und Referaten alles um die „verborgenen“ Kräfte der Politik. Die Politik im Verborgenen scheut die Öffentlichkeit und das Scheinwerferlicht. Das provoziert natürlich Verschwörungstheorien, Verdächtigungen und Vorurteile. Ist die Politik nur ein Spielball der Wirtschaft? Sind Politiker bloß Getriebene der Medien? Oder regiert doch der Terror die Welt? Alles Fragen, die spannende Filme provozieren.

Die Filmreihe “The secret forces of politics” versucht, im Kinosaal mit fünf Filmen (Baader, Kronenzeitung: Tag für Tag ein Boulevardstück, Roger & Me, BRD Black Box, The Navigators) aus Deutschland, Belgien, den Vereinigten Staaten und Großbritannien, mit Diskussionen und mit Referaten (u.a. mit Harald Krassnitzer, Ferdinand Lacina, Armin Thurnher) Antworten auf diese Fragen zu finden. Dazu laden wir sie wieder herzlich vom 9. bis 13. Dezember ins Leokino in Innsbruck ein.

DOWNLOAD:  PROGRAMM 

Baader

Dies ist die Geschichte von Andreas Baader, einem Autodieb, der in wenigen Jahren zum Revolutionstheoretiker der bewaffneten Linken wurde.

Der Film erzählt die Zeit von 1967, als Baader wieder mal eine Strafe wegen Fahrens ohne Führerschein und Autodiebstahl absitzt, bis 1972, jenem Moment, als der Staat und die RAF sich am Frankfurter Hofeckweg gegenüberstehen. Hier Hunderte Polizisten, teilweise in Zivil und mit Bauhelmen geschützt, dort Baader, Meins und Raspe mit Sonnenbrillen und Lederjacken, lachend und grölend.

Da ist Baader gerade mal 29 Jahre alt. Vier Jahre zuvor hat er mit seiner großen Liebe Gudrun Ensslin in zwei Frankfurter Kaufhäusern Brände gelegt – „. . . um gegen die Gleichgültigkeit zu protestieren, mit der Menschen dem Völkermord in Vietnam zusehen. Wir haben gelernt, dass Reden ohne Handeln Unrecht ist.“

Baader und Ensslin fliehen nach Paris, in die Stadt der Revolution. Sie nehmen Drogen, klauen Motorräder und hängen einfach ab.Zurück in Deutschland, kommt Baader wieder ins Gefängnis, wird spektakulär befreit und geht mit Ensslin, Ulrike Meinhof und ein paar anderen nach Jordanien, um sich zum Guerillero ausbilden zu lassen.

Dann folgt der Aufbau der Gruppe. Banküberfälle, BMWs klauen, neue Gruppenmitglieder hinzuziehen, Sprengstoff besorgen, die Logistik organisieren . . . Junge Leute um die zwanzig. Es geht um das Experiment. Man muss die Illegalität ausprobieren, um zu sehen, ob sie möglich ist.

Eröffnung und Referat: Harald Krassnitzer, Schauspieler

Christopher Roth, Baader, Deutschland 2002



Tag für Tag ein Boulevardstück

Es ist der unverfrorene, noch nicht abgestumpfte Blick von außen, der dem Film zu Einsichten in den Redaktionsalltag verhilft, ein Maß an Selbstdarstellung der Porträtierten zulässt: Ein Streifzug durch die Ressorts, von der "Erörterung" der afghanischen Flüchtlingsfrage bis zur Wahl des Fotos "Finanzminister Grasser streichelt Hund" - das dann noch von höchster Stelle abgesegnet werden muss -, präsentiert in bester Direct Cinema-Manier, wie ungeniert diese Zeitung Politik zum Spektakel erhebt.

Der Off-Kommentar bleibt sachlich, Interviews mit Krone-Kritikern wie Heide Schmidt oder Erhard Busek weisen in Richtung Verquickung von Politik und Medienmacht. Dafür erhält man dann Beispiele, die für sich selbst sprechen: wenn Innenpolitik-Redakteur Dieter Kindermann mit Justizminister Böhmdorfer im Segelflieger posiert, oder Bundespräsidenten Klestil Dichand eine Audienz gewährt, bei Gugelhupf, "zum Wohle des Landes".

Referent und Diskussion: Armin Thurnher, Chefredakteur Falter

Nathalie Borgers, Kronenzeitung: Tag für Tag ein Boulevardstück, Belgien 2002


Roger & Me

Ein Dokumentarfilm über die Schließung einer Autofabrik in Flint, Michigan, durch die 30.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Der Film zeichnet die Versuche des Filmemachers Michael Moore nach, den für die Schließung verantwortlichen Manager Roger Smith vor die Kamera zu bekommen.

Referent und Diskussion: Ferdinand Lacina, ehemaliger Finanzminister, über die Macht der Wirtschaft und die Ohnmacht der Politik

Michael Moore, Roger & Me, USA 1989


BRD Black Box

Alfred Herrhausen, Top-Manager der Deutschen Bank, Inbegriff von Macht und Wohlstand fällt 1989 einem Attentat der RAF zum Opfer. Wolfgang Grams wird vom RAF-Sympathisant zum aktiven Mitglied und Freund von Terroristin Birgit Hogefeld. 1993 - kurz vor seiner Verhaftung stirbt er - auf ungeklärte Weise - am Bahnhof von Bad Kleinen.

In seinem spannendem Dokumentarfilm stellt Andreas Veiel die beiden, gegensätzlichen Persönlichkeiten gegenüber, den sich radikalisierenden Rebell und den arrivierten Top-Manager. Mit den Aussagen von Grams Eltern und Bruder, seinen politischen Weggefährten und Herrhausens Witwe und einiger seiner Ex-Kollegen zeichnet Veiel nicht nur das Porträt der beiden Männern, sondern auch der Gesellschaft.

Referent und Diskussion: Peter Filzmaier, Politologe und Terrorexperte

Andres Veiel, BRD Black Box, Deutschland 2001


The Navigators

Im Jahr 1995 wird das britische Eisenbahnwesen privatisiert. Für einen Trupp Gleisbauarbeiter in der Nähe von Sheffield bedeutet dies nicht nur, dass sie von nun für „East Middleland Infrastrucuture“ anstatt für die British Rail arbeiten. Die Veränderungen der Eigentumsverhältnisse wirken sich auch einschneidend auf ihre Lebensumstände aus. Das neue Management stellt die Arbeiter vor die Wahl: Entweder sie nehmen die Abfindungszahlung und versuchen ihr Glück auf dem freien Arbeitsmarkt, oder sie akzeptieren die neuen Arbeitsbedingungen. Unter dem Druck der Konkurrenz beginnt die Kameradschaft zu bröckeln, Sicherheitsstandards werden unterlaufen und das Mitspracherecht der Arbeiter auf ein Minimum reduziert.

Rob Dawber war jahrelang als Arbeiter für die British Rail tätig und engagierte sich in der National Union of Railwaymen. Nach seiner Entlassung, und nachdem bei ihm ein tödliches Krebsleiden festgestellt wurde, begann er das Drehbuch für The Navigators zu schreiben. In Ken Loach, dem streitbaren Dokumentaristen der britischen Arbeiterklasse fand er einen engagierten Partner, der die Vorlage mit unsentimentalem Realismus und bitterem Humor umsetzte.

Rob Dawber starb am 20. Februar 2001. Im. September darauf wurde The Navigators bei den Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt und für den Goldenen Löwen nominiert.

Diskussion: Wilhelm Haberzettl, Chef der österreichischen Eisenbahnergewerkschaft, Corinna Milborn, freie Journalistin

Ken Loach: The Navigators, UK 2001