2010 

The good, the bad and the ugly in Politics.
Die Guten, die Schlechten und die Schrecklichen.

22. bis 26. November 2010, Leokino, Innsbruck

Aus den Radarschirmen der subjektiven, medialen und historischen Bewertungen entkommen Politiker, Politik und Ideologien nicht (mehr). Mit pointierten Urteilen, schablonenhaften Einordnungen und auch völligen Fehlinterpretationen wird versucht, auch undurchsichtigste Graubereiche zu erschließen. Heraus kommt dabei oft eine Rollenrepertoire und ein Handlungsszenario, das an einen Spagetti-Western erinnert.

Das Polit-Film-Festival 10 befasst sich daher heuer in einer Reihe von Filmen, Vorträgen und Diskussionen mit der oft verzweifelten Suche nach dem „Guten“, mit der Faszination und den Abgründendes „Schrecklichen“ und mit der Enttäuschung über das Scheitern der „Schlechten“ in der Politik.

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The Return of the War Room

Der Film ist eine Fortsetzung des und eine Reflexion über den Dokumentarfilm The War Room, den D.A. Pennebaker und Chris Hegedus über den Präsidentschaftswahlkampf 1992 und das Wahlkampfteam Bill Clintons gedreht haben. 16 Jahre später erinnern sich alle Beteiligten an die chaotische Zeit, als sie den “War Room” erfanden: jenes strategische Nervenzentrum des Wahlkampfes, das der legendäre James Carville auf höchst unkonventionelle Art und Weise geführt hat.

Eröffnungsreferenten: Alfred Gusenbauer, ehemaliger Bundeskanzler

 

D.A. Pennebaker, The Return of the War Room/USA 2008.

Shoa

Filmemacher Claude Lanzmann reiste von 1974 bis 1985 durch Europa, um mit Zeitzeugen des Holocaust (Opfern und Tätern) zu sprechen. 350 Stunden Filmaufnahmen trug er so zusammen und fasste die Gespräche zu dem achtstündigen Dokumentarfilm „Shoa“ zusammen. Simone de Beauvoir: „Wir haben nach dem Krieg unzählige Berichte über die Ghettos, über die Vernichtungslager gelesen; wir waren erschüttert. Doch wenn wir Claude Lanzmanns außergewöhnlichen Film sehen, merken wir, dass wir überhaupt nichts gewusst haben.“

ReferentInnen: Claude Lanzmann - Regisseur, Andreas Maislinger - Politologe

  

Claude Lanzmann, Shoa Frankreich 1985.


Joe Strummer: The Future is unwritten

Als Frontmann von The Clash schrieb Joe Strummer Musikgeschichte. Als Revolutionäre der Punk- und Rockmusik repräsentierten The Clash politische Inhalte über kommerzielle Interessen hinaus und prägten die Haltungen von ganzen Generationen. Der Film porträtiert den Musiker Joe Strummer jenseits der Mythen und Legenden, die sich um die Begründer des Punkrock ranken.

ReferentInnen: Christian Schachinger, Journalist, Musikkritiker

  

Julien Temple, Joe Strummer: The Future is unwritten Irland, Großbrittanien 2007.



Deutschland im Herbst

Ein so genannter "Omnibusfilm", in dem elf namhafte deutsche Regisseure versuchen, die Stimmung in der krisengeschüttelten Bundesrepublik nach der Entführung und Ermordung Hans Martin Schleyers sowie den Selbstmorden der in Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen zu reflektieren. Stilistisch und methodisch folgen sie dabei höchst unterschiedlichen Ansätzen.

ReferentInnen: Claus Philipp, Journalist, Direktor Stadtkino Wien

  

Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Edgar Reitz, Volker Schlöndorff, Deutschland im Herbst BRD 1978.

Es ist besser, nicht zuviel um sich zu schauen

Das Lager Reichenau am Stadtrand von Innsbruck wurde im Jahr 1941 errichtet, um italienische Fremdarbeiter, die auf der Flucht von ihrem Arbeitsplatz aus Deutschland in ihre Heimat am Brenner aufgegriffen wurden, zu inhaftieren. In der Folge war das Lager Reichenau auch Arbeitserziehungslager, ab Herbst 1943 Durchgangslager für Deportationen aus dem von Deutschland besetzten Norditalien und Haftlager der Gestapo Innsbruck.

Für den im Zeitraum von April 2006 bis Jänner 2008 gedrehten Film hat Johannes Breit Kontakt mit ehemaligen Häftlingen in Polen, der Ukraine, Weißrussland, Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich und in Slowenien aufgenommen. Einige von ihnen waren bereit, vor der Kamera über ihre Haft, ihre Lebensbedingungen im Widerstand oder als jugendliche Zwangsarbeiter, über die Umstände ihrer Verhaftung und das Leben im Lager zu berichten.

Im Zentrum des Films stehen diese Erinnerungen der ehemaligen Häftlinge, deren Berichte mit wenigen ausgewählten Dokumenten ergänzt wurden. Auf einen Off-Kommentar wurde bewusst verzichtet. Johannes Breit studiert Geschichte in Wien. Er arbeitete als Gedenkdiener am United States Holocaust Memorial Museum in Washington DC. Seit fünf Jahren dreht er Dokumentarfilme, mit denen er bisher zweimal bei der Diagonale – Festival des österreichischen Films, vertreten war. Die Produktion des Films wurde gefördert von Zukunftsfonds der Republik Österreich, Land Tirol, Stadt Innsbruck, Bischof Dr. Manfred Scheuer, Dr. Elisabeth Breit, IMB

ReferentInnen: Thomas Albrich, Historiker

   

Johannes Breit, Es ist besser, nicht zuviel um sich zu schauen Österreich 2009.